01. Sep 2007 gegen 20:56 Uhr
Vor einem Jahr….(Mama-Sicht)
bin ich mal wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Seit der 22. Schwangerschaftswoche war ich mit Frühwehen krank geschrieben, hatte schon den ein oder anderen Krankenhausaufenthalt hinter mir, und musste Medikamente nehmen. Vom 30.08. – 01.09.2006 war ich im Krankenhaus, da ich abnehmende Kindsbewegungen hatte. Wie sich bei den Untersuchungen herausstellte, ging es unserem Bauchzwerg aber sehr gut, aber mein Muttermund war schon 2 cm auf und leichte Wehen hatte ich auch schon. Naja, sollte ich laut CTG haben, ich habe allerdings gar nichts gemerkt. Ich wurde dann mit den Worten entlassen: “Sie können nach Hause. Aber 3 Wochen werden Sie nicht mehr warten müssen.” Der eigentliche Entbindungstermin war nämlich der 24.09.2006.
Also holte mich mein Mann am 1.09.2006 (ein Freitag) wieder aus dem Krankenhaus ab. Ich sagte dann zu Thomas, dass wir uns einen schönen Abend machen sollten, denn wer weiß, wie lange wir noch in den Genuss von ruhigen, gemütlichen Abenden kommen würden. Und dann nahm alles seinen Lauf…
Es war Samstag Morgen und wir haben in aller Ruhe gefrühstückt. Zum Mittag ist dann meine Mama mit Mittagessen zu uns nach oben gekommen. (Meine Eltern haben zu dem Zeitpunkt im gleichen Haus wie wir im Erdgeschoss gewohnt.) Wir 3 haben dann also unser Mittag genossen, rumgealbert und Scherze darüber gemacht, wie es wohl sei, wenn das Baby schon da wäre. Gegen 13 Uhr ist meine Mama wieder zu sich in die Wohnung. Und dann wurde alles irgendwie anders. Gegen 14 Uhr habe ich ein Ziehen in der Bauchgegend verspürt. Ich bin dann tänzelnd durch die Wohnung gelaufen und sagte zu Thomas, dass DAS Wehen sein könnten, ich mir aber nicht sicher sei. (War ja auch meine erste Schwangerschaft…) Noch sagte ich scherzhaft, dass es dies Wochenende ja vielleicht soweit sei. Bereits eine Stunde später, die Zwischenzeit habe ich mehr oder weniger auf der Toilette verbracht, ist dann wohl die Fruchtblase geplatzt. Aber auch da war ich mir zu dem Zeitpunkt nicht sicher, ist mir ja bisher auch noch nie passiert. Tja, war es jetzt die Fruchtblase??? Und was macht man da? Man beruft sich auf die schlauen Tipps aus dem Internet…(anstatt die Hebamme anzurufen…) Und dort stand mal, so hatte ich es noch in Erinnerung, wenn man sich nicht sicher ist, ob es “wirkliche” Wehen sind, dann sollte man sich in die Badewanne begeben. Richtige Wehen würden sich dann verstärken. Und sie wurden STÄRKER!!! Als ich in der Badewanne saß, hab ich gedacht, es haut mich um. Ich schrie Thomas nur an, dass ich sofort ins Krankenhaus will, und das er ganz schnell meine Tasche packen muss. Und da mein Mann mich liebt, und auch gar keine andere Wahl hatte (weglaufen war nicht!), machte er alles was ich wollte. Holte mich dann aus der Badewanne, trocknete mich ab und packte die Tasche. Während ich mich dann anzog wurden die Wehen immer stärker, so dass ich mich schon ganz schön zusammenreißen musste. Ich habe zwar laut gestöhnt, aber es war mir egal. Das einzige was mich in dem Moment motivierte war, dass ich bald im Krankenhaus sein würde, und dass ich dort was gegen die Schmerzen bekommen würde. Natürlich konnte mir die Autofahrt nicht schnell genug gehen. Die Schmerzen waren einfach nicht zum Aushalten. (Ich möchte nicht wissen, was ich für ein Bild im Auto abgegeben habe und was die anderen Autofahrer gedacht haben müssen.) Nach endlosen Minuten haben wird dann das Krankenhaus erreicht. Thomas parkte auch direkt vor dem Eingang, so dass der Weg nicht allzu weit war. Und während er mich stützen wollte, gab ich ihm nur zu verstehen, dass er sich doch bitte ganz schnell um den Fahrstuhl kümmern möge. Mein lieber Mann tat das auch.
So erreichten wir gegen 17.30 Uhr den Kreißsaal, wo uns eine Hebammenschülerin in Empfang nahm. Ich bin dann erst mal an das CTG gekommen, Thomas hat unterdessen den ganzen Papierkram erledigt. Während Thomas bei der Aufnahme war, habe ich schon vor Schmerzen geschrien. Die Hebammenschülerin fragte, was los sei. Ich sagte ihr, dass ich bitte dringend auf Toilette möchte, da ich so einen Druck nach unten verspüre. Sie schaute mich nur an, untersuchte mich, und sagte dann, dass wir wohl gleich in den Kreißsaal könnten. Dann kam mir Thomas schon entgegen, und fragte, in welchen Kreißsaal ich denn möchte. (es standen Säle in verschiedenen Farben zur Auswahl) Hallo??? War mir doch egal, welche Farbe dieser Raum hatte. Ich wollte endlich ohne Schmerzen sein. Es ging dann übrigens in den Blauen Kreißsaal… Es stellte sich dann herraus, dass der Muttermund schon 7 cm auf war. Mittlerweile war es 18 Uhr. Hebamme und Ärztin waren sich einig, das dauert nicht lang. Als ich gefragt wurde, was ich denn gegen die Schmerzen habe wollte – klare Antwort: PDA! Tja, die gab es dann leider nicht, weil ich schon zu weit war. Stattdessen kam ich in den Genuss ein Zäpfchen verpasst zu bekommen. Half nur leider nicht. Zwischendurch wollte Thomas, der die ganze Zeit neben mir saß, meine Hand streicheln, einfach um mir zu zeigen, dass er ist da. Ich sagte ihm, er soll nicht böse sein, aber ich mag das jetzt nicht. Dann kam die Hebammenschülerin wieder zu uns, und sagte meinem Mann, er könne mich auch mal streicheln. Ich schüttelte natürlich gleich den Kopf, und was sagt sie zu meinem Mann: “Will sie nicht…” 1. Hatten mein Mann und ich das schon vor Minuten geklärt und 2. weiß mein Mann, was ich mit Kopfschütteln meine. Naja…Da ich auch schon so einen Drang zum Pressen verspürte, mussten mich die Hebammen immer wieder beruhigen und mich daran erinnern, dass ich noch nicht pressen darf. “Denken Sie an Ihr Kind, nicht pressen und immer schön atmen…! – Ich konnte aber nicht an mein Kind denken, ich wollte die ganze Geschichte endlich hinter mich bringen. Dann gab es einen Wehenhemmer, und ich konnte endlich mal wieder ruhig atmen. Das tat so gut, dass ich die Hebamme fragte, ob ich nicht noch so eine Spritze haben könnte. Leider nein! Ich wurde dann wieder mit den Worten motiviert: “Es dauert nicht mehr lang, Sie haben es gleich geschafft…” – Das haben die vor 1 Stunde auch schon gesagt! Also gut dachte ich mir. Ich bin um 19.35 Uhr auf die Welt gekommen. Das wäre auch eine perfekte Zeit für mein Baby und eine halbe Stunde halte ich das noch aus. Also strengte ich mich an, schön zu atmen und nicht zu pressen, was wirklich schwierig war. Die Ärztin hatte in der Zwischenzeit Blut aus dem Köpfchen von Jakob entnommen, und paar Minuten später stand fest, dass es besser wäre, Jakob per Kaiserschnitt auf die Welt zu holen. Seine O²-Sättigung im Blut war nicht mehr so gut. Ich weiß nicht, ob sich das jemand vorstellen kann, aber in dem Moment hätte ich der Ärztin vor Dankbarkeit um den Hals fallen können. Es war bereits 19.40 Uhr – meine Traum-Entbindungszeit hatte ich somit nicht geschafft. Zu allem Übel kam dann noch die Narkoseärztin mit einem riesigen Fragenkatalog. Auch hier konnte es mir mal wieder nicht schnell genug gehen. Ich wollte in den OP! Obwohl ich bereits Wehenhemmer als Infusion bekam, verspürte ich immer noch Wehen, die Ärztin und die Hebamme haben sich nur ungläubig angeschaut und sagten, ich könne keine Wehen mehr haben. Aber ich hatte noch welche. Auch als ich auf den OP-Tisch “gehüpft” bin, hatte ich noch Wehen. Der Narkosearzt bat mich, tief Luft aus der Sauerstoffmaske zu nehmen, und ich hab nur bei mir gedacht: Du müßtest doch mal langsam wegtreten… Eine Ärztin schaute mir ins Gesicht, und ich fragte sie, wann wir denn anfangen. Ihre Antwort: “Wir sind doch schon längst fertig! Sie haben einen Jungen. Wir fahren Sie jetzt in den Aufwachraum.” Ich wollte wissen, ob alles gut verlaufen sei, und sie sagte mir, dass Jakob gesund sei und das es gut war ihn per Kaiserschnitt zu holen. Es stellte sich bei der OP raus, dass die Nabelschnur zu kurz war. Also kam ich in den Aufwachraum. Von der Uhr an der Wand konnte ich erkennen, dass es 21 Uhr ist. Die Ärztin im Aufwachraum war sehr nett. Obwohl sie schon seit 16 Stunden im Dienst war, (an dem Tag war so viel los, so viel hatte sie noch nie in ihrer ganzen Dienstzeit zu tun) erkundigte sie sich, auf welche Station ich denn kommen würde, wie groß und wie schwer Jakob war. Leider konnte ihr das niemand sagen, denn im Kreißsaal war eine Menge los. Und so wartete ich, dass ich endlich auf Station kam. Ich wußte zu der Zeit nicht, wie mein Baby aussah, wie es ihm ging, wie groß und wie schwer er war, noch nicht einmal, wie es meinem Mann ging. Gegen 22.15 Uhr bin ich dann endlich in ein Patientenzimmer gekommen. Meinen Mann habe ich nur ein paar Minuten gesehen. Kurz erzählte er mir, wie toll unser kleiner Sohn sei, wie niedlich er sei. Dann zeigte er mir das erste Bild, und wenn ich ehrlich sein soll, ich war enttäuscht. So toll sah mein Baby gar nicht aus. Total zerknautscht! Dann musste mein Mann auch schon los, denn die Besuchszeit war schon längst vorbei. Und so lag ich nun in dem Bett, in einem Zimmer mit 2 weiteren Mamis und wußte gar nichts. Die beiden waren total erstaunt, dass ich Jakob noch nicht einmal gesehen hatte. Also fragte ich die Schwester, ob ich denn mein Baby sehen könne. Sie kurz und knapp: ” Nein, dass schläft jetzt in seinem Wärmebettchen.” Da war ich erst mal baff. Das muss sie dann auch mitbekommen haben, und fragte, ob ich es denn noch gar nicht gesehen hätte, und ich sagte: “Nein…” Dann bekam ich Jakob zum allerersten Mal in den Arm. Er war in einem großen Kissen eingepackt, und ich konnte zum ersten Mal sein Gesichtchen betrachten, seine kleinen Finger berühren, ihn einatmen! (So häßlich war er gar nicht! ) Keine 5 Minuten später wurde er mir auch schon wieder weg genommen, und ich sollte mich ausruhen. Die anderen beiden Mamis konnten zu Ihren Baby im Nebenzimmer gehen, mein Baby lag auch in diesem Zimmer. Aber als es anfing zu weinen, konnte ich nicht zu ihm. Das war einfach nur zum Schreien. Eigentlich lag ich auch die ganze Nacht wach. Mein Baby war nun auf der Welt, und nicht mehr in mir. Mein Baby war 10 Meter von mir entfernt, und ich konnte nicht zu ihm… Auf der einen Seite war ich stolz, dass mein Baby da war, auf der anderen Seite traurig, dass ich nicht in seiner Nähe war.
Dann kam der nächste Morgen, endlich! Morgens bringen sie einem sein Baby! Mir leider nicht… ich sollte erst mal in Ruhe frühstücken. Nach dem Frühstück fragte ich, ob ich denn endlich aufstehen dürfe. Gegenfrage: “Trauen Sie sich das denn zu?” – “Und ob! Ich will allein auf’s Klo und ich möchte endlich zu meinem Baby!” Also, hab ich die Stationsschwestern zum Staunen gebracht, bin allein zur Toilette, hab mich gewaschen und bin dann zu meinem Baby! Ich habe Jakob dann aus seinem Wärmebettchen geholt und zu mir ins Bett gelegt. Ich habe ihn dann in eine Decke gewickelt und mit meiner Decke zusätzlich zugedeckt. Die Schwestern sind zwar nur Kopfschüttelnd raus aus dem Zimmer, weil Jakob ja im Wärmebettchen liegen sollte. Ich fand, mein Baby muss zu mir! (Und Jakob ging es in der ganzen Zeit gut, seine Temperatur war immer konstant bei 37 Grad, auch ohne Wärmebettchen!) Und da lag er nun, ganz nah bei mir! Ich konnte ihn die ganze Zeit nur anschauen, musste ihn berühren! Und mein Gott war der niedlich! Einfach nur schön, und so zart und klein!
Und heute? Heute ist Jakob immer noch mein Baby. Das wird er auch immer bleiben! Ich bin stolz auf meinen Sohn, meine Liebe zu ihm ist unerschöpflich. Aber das geht wohl jeder Mama so. Ein Leben ohne Jakob kann ich mir nicht vorstellen, und eigentlich stellt sich für mich die Frage: “Warum gab es Jakob nicht schon früher? Was hat man eigentlich gemacht, als es Jakob noch nicht gab?” – ??? -Darauf gibt es nur eine Antwort: ” Schön, dass es Jakob gibt. Schön, dass er jetzt da ist!”



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