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18. Mrz 2012 gegen 22:07 Uhr

Justitia ist blind

Es gibt sie – die Geschichten aus dem Vorabendprogramm zweitklassiger TV-Sender, über die man gerne schmunzelt und sie als unmöglich und frei erfunden abstempelt – bis… ja bis sie einem selbst widerfahren. So wie mir, und meiner scheinbar unendlichen Geschichte über einen „Irrtum“ höchster Güte, der mich fast ein Jahr lang viele Nerven kostete – doch am Ende siegte die Gerechtigkeit..! Aber von vorn…

Anfang April 2011 erhielt ich einen Brief des Ordnungsamtes der Hansestadt Rostock mit einem Bußgeldbescheid über 15,00 Euro für falsches Parken. Zugegeben, das war nicht der erste dieser Art, den ich in den letzten Jahren als Bürger dieser Stadt erhalten habe, aber es war der erste, der zu Unrecht zugestellt wurde. Ich sollte nämlich mit meinem Fahrzeug „Peugeot HRO-xx xxx“ um 04:20 Uhr in Rostock Lütten Klein geparkt haben…

Zwei Dinge an dieser Stelle:
1. Zwar stimmte das Kennzeichen, jedoch fahre ich keinen Peugeot, sondern einen Volkswagen.
Und 2. liegt die besagte Straße mehrere Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Warum sollte ich also dort parken, und dann nach Hause gehen?

Ich reagierte erst einmal nicht weiter auf diese Angelegenheit, bis ich erneut Post von der Stadt bekam. Aus den bisherigen 15,00 Euro wurden nun schon 37,00 Euro – klar, Gebühren Gebühren Gebühren…
Nun entschied ich mich doch zu reagieren. Die „Sache“ nervte mich jetzt schon ziemlich und ich suchte juristischen Rat bei einem Anwalt. Nach einem langen Telefonat und der Schilderung der gesamten Sachlage war klar, das ich die weiteren Schritte in die Hände des Anwalts legen würde, da nur ein Freispruch das Ergebnis sein könne. Gesagt – getan. Und von diesem Moment war für mich die Angelegenheit vom Tisch…

…bis zum 02. November 2011… Denn was ich nicht wusste war, dass wenn dieser Weg über den Anwalt beschritten wird, es an den Ämtern liegt, ob ein Verfahren gerichtlich „bestritten“ wird oder nicht. In meinem Fall schien die Aktenlage für das zuständige Amt keine Zweifel an meiner Schuld zu, so dass ich am besagten 02. November die Ladung zur Verhandlung erhielt.
Was für ein Schock!! Eine Angelegenheit, die für mich erledigt war, wird nun vor Gericht verhandelt? Oha! Man kann sich vorstellen, dass ich am folgenden Tag recht nervös und schnell ein Gespräch mit meinem Verteidiger suchte, der mir aber rasch zu Verstehen gab, dass dies reine Routine sei, und ich nichts zu befürchten hätte. Trotzdem war es ein ziemlich komisches, mulmiges Gefühl als  „Täter“ vor Gericht zu müssen…

Am 15.11.2011 kam es dann auch zur Verhandlung. Nur so viel… Nach Vorlage meiner KFZ-Zulassung und der Schilderung meiner Geschichte wurde noch der Polizist befragt, der damals meinen Wagen als falsch geparktes Fahrzeug notierte. Da er sich sicher war, das es keine Verwechslung von Fahrzeugmarke oder Kennzeichen geben konnte, war für den Richter bewiesen, dass ich zu Unrecht beschuldigt wurde. Die „Papier-Fakten“ sprachen eine eindeutige Sprache… FREISPRUCH !

Nun aber, nun war die ganze Geschichte für mich endgültig vom Tisch. Oder?
Nein, war sie nicht. Am 16.01.2012 erhielt ich erneut Post von der Stadt Rostock – diesmal von der Vollstreckungsbehörde mit einen Termin für den Gerichtsvollzieher. Es ging tatsächlich noch um das noch nicht bezahlte Bußgeld. Mittlerweile 61,00 Euro.

Also wieder telefonieren, erklären und sich über einen Vorgang ärgern, den ich längst aus meinem Alltag verdrängt habe. Die Dame im Amt war allerdings sehr nett und freundlich und man konnte gut mit ihr reden. Also vereinbarten wir, dass ich dem Amt eine Kopie meines Urteils aus November 2011 zukommen lasse, und die Sache damit ein für alle mal erledigt sei. Nur… Ich hatte bis dato leider noch gar kein Urteil… Das bekam ich – Gott sei Dank – kurz vor dem Vollstreckungstermin.  Also noch einmal angerufen – es waren ja schon wieder einige Wochen verstrichen – und dann das Urteil gefaxt. Und damit war die Akte für mich geschlossen…. Ein für alle mal…

Glaubt ihr? Nein? Richtig!
Am 15.03.2012 klingelte mein Telefon – das Ordnungsamt…. „Ja schönen guten Tag, ich rufe an wegen dem Bußgeldbescheid von Mai 2011…..“ Ich wollte gerade „explodieren“ als die nette Dame am Telefon sich für die Unannehmlichkeiten die ich hatte entschuldigte und mir versicherte, dass diese Akte nun wirklich geschlossen sei. Na HURRA! Ich freue mich schon auf den nächsten Brief zu diesem „Vorgang“.

Und jetzt frage ich: Muss es wirklich so weit kommen? Haben die Ämter, Behörden und Gerichte nicht wirklich wichtigere Dinge zu tun, als sich mit Fällen, wie meinem zu beschäftigen? Hätte ein kurzer Blick in den Zulassungscomputer nicht zeigen können, dass zu meinem Kennzeichen kein Peugeot gehört, und man noch mal hätte beim Polizisten nachhaken müssen?
Teuer wurde es für die Stadt – Anwaltskosten, Gerichtskosten etc. Aber nun ja, Justitia ist blind, sonst wäre wahrscheinlich schon vorher etwas aufgefallen und es wäre für alle Beteiligten einen Tick ruhiger gewesen…

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Dies ist einer von insgesamt 87 Artikeln, die Thomas hier verfasst hat.

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